Bauernstimme

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"AbL-Urgestein" Wolfgang Eisenberg

Lieber Wolfgang Eisenberg,

mit Interesse haben wir Deinen Leserbrief in der Bauernstimme gelesen. Für uns ist die Rückmeldung eines der AbL-Urgesteine sehr wichtig. Allerdings möchten wir mit diesem offenen Brief gerne versuchen, Deine Überlegungen zu korrigieren, denn es geht bestimmt nicht Dir allein so bei der Einschätzung der Entwicklungen der letzten Wochen und Monate.

Wir vom Vorstand der AbL Niedersachsen sind auch jederzeit gerne per Telefon oder elektronisch ansprechbar, bevor sich ein allgemeines Unwohlsein festsetzt. Die Nummern stehen ja in jeder Bauernstimme.

Zu den einzelnen Themen:

  1. der „Niedersächsische Weg“ wird von Vielen skeptisch gesehen, da man sich an die Sichtweise „die Naturschutzverbände haben recht“ und „der Bauernverband (Landvolk in Niedersachsen) verzögert immer nur oder ist dagegen“ gewöhnt hat. Diese Gleichung geht aber nicht mehr auf. Auch bei den Vertretern des Landvolkes hat sich die Einsicht Bahn gebrochen, dass ein „Weiter So“ kontraproduktiv ist und den verbliebenen bäuerlichen (!) Betrieben eher schadet als nützt. Gleichzeitig findet gerade jetzt ein Generationswechsel in der Führung statt, der uns hoffen lässt. Es ist die Erkenntnis vorhanden, dass sich die Versäumnisse der Vergangenheit (siehe Ablehnung der Düngeverordnung) jetzt gegen die Bauern richten. Dies zeigt ja auch die Reaktion der Land-schafft-Verbindung - Bauern, die die „Gesellschaft“ aber auch das Landvolk scharf kritisieren. Es wird von allen Beteiligten noch viel Anstrengung bedürfen, um in eine sachliche Diskussion zurückzufinden.

  2. Die AbL Niedersachsen hat aber immer dafür gekämpft, dass die Bauern, die umwelt- oder klimafreundlicher wirtschaften, für diese Leistung bezahlt werden müssen, egal ob sie konventionell oder ökologisch wirtschaften. An diesem Punkt haben wir auch den Nabu kritisiert, der mit dem Volksbegehren viele Maßnahmen über das Ordnungsrecht regeln wollte – ohne garantierten ausreichenden Ausgleich. Gleichzeitig haben wir vorausgesehen, dass das Volksbegehren die Gräben zwischen Naturschützern und Landwirten nur vertieft – und das in einem Moment, wo sich etliche Landwirte bewegen.

  3. Beispiel Tierwohl: Der Kampf gegen große Ställe, den besonders Ecki Niemann und die Bürgerinitiativen ausfechten, ist bundesweit vorbildhaft. Es setzt sich auch langsam die Erkenntnis durch, dass die Ergebnisse aus der Borchert-Kommission nur ein Anfang sein können und nicht das Ende. Dass es Druck braucht auf die Lobby-Verbände, hier nicht stehen zu bleiben, ist richtig. Aber auf „die“ Verbraucher muss weiterhin Druck ausgeübt werden, dass sie Tierwohl nicht zum Nulltarif bekommen können. Und dass Neuland die konventionellen Schlachtstrukturen nützt, haben gerade wir Niedersachsen besonders heftig kritisiert und werden dies auch weiter tun, brauchen dabei aber die Unterstützung der Mitglieder – auch Deine.

  4. Beispiel Wegeränder: Gerade wenn man Landwirtschaft und Natur(schutz) verbinden will, ärgert diese weit verbreitete Praxis der illegalen „Landgewinnung“ jeden. Die Behörden haben bei der Festlegung der Feldblöcke diese Überschreitungen sogar legalisiert, da sie nicht die Katasterpläne zugrunde legten. Allerdings würden wir uns vom Vorstand in Niedersachsen völlig überschätzen, wenn wir die Aufgabe, eine Korrektur in der Fläche, anstreben würden. Das muss vor Ort geschehen. Aber versuch einmal, die Kollegen davon zu überzeugen, die Grenzen einzuhalten. Selbst Christian Meyer hat dieses Thema nicht aufgegriffen – er wusste um die Brisanz.

Fazit: Wir bewegen in Niedersachsen zur Zeit recht viel, besonders wenn wir die wenigen

Aktiven des Vorstands berücksichtigen. Viele unser Forderungen und Argumente werden von

anderen Gruppen aufgegriffen und unterstützt. Und wir sind als Gesprächspartner noch nie so

geschätzt worden wie jetzt. Das sind gute Voraussetzungen für die Zukunft. Je mehr

Unterstützung wir dabei von unserer Basis bekommen, desto mehr können wir stemmen.

„Haut rein“ würde Georg jetzt sagen. Uns wäre auch manchmal mit einem Telefonanruf

geholfen, um gemeinsam mit einer Stimme zu sprechen. Also los!


Der Vorstand der AbL Niedersachsen / Bremen 4. Oktober 2020


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hier der Leserbrief vonWolfgang:

Die Diskussion um den sogenannten niedersächsischen Weg zur Förderung der Artenvielfalt und das eventuelle Volksbegehren zu diesem Thema, initiiert durch Grüne und Naturschutzverbände, und die Haltung der AbL dazu bringen mich ein weiteres Mal zu der Überlegung, ob ich in der AbL noch richtig bin. In den letzten Jahren hat es für mich leider öfter solche Momente gegeben.
Wie wir alle erfahren haben, geht die Politik des Bauernverbandes und die der mit ihm verschränkten politischen Klasse immer nach dem gleichen Schema vor: Leugnen des Problems, Hinauszögern von Gegenmaßnahmen, theatralisches Jammern, unverbindliche Zusagen und weiteres Nichtstun. So erfolgt beim Schnäbelkürzen, beim Ringelschwanz, beim Kastenstand, beim Kükenschreddern sowie bei der Nitratkontamination vieler Wasservorkommen. Die Liste ließe sich fortsetzen.
Wir erinnern uns auch an das hysterische Geschrei wegen der satirischen Bauernregeln, um eine unliebsame Ministerin zu diskreditieren. Auch die Missstände in der Fleischindustrie und bei den meist osteuropäischen Erntehelfern sind immer wieder schöngeredet und ignoriert worden.
So weit, so schlecht! Leider hat die AbL in vielen Fällen nur halbherzig bis gar nicht reagiert oder sich sogar in dieses System hineinziehen lassen. Zum Beispiel Tierwohl: Da hat man sich in der Borchert-Kommission auf weitere Jahrzehnte tierquälerische Haltungsbedingungen geeinigt mit marginalen kosmetischen Änderungen, nachdem in diesem Bereich aber schon teilweise jahrzehntelang gegen EU-Recht verstoßen wurde und andere europäische Nachbarn aktuell schon zeigen, wie es geht (z. B. Kastenstand). Die Kritik an den unhaltbaren Zuständen in der Fleischindustrie, die von der AbL schon lange vollmundig vorgetragen wurde, hat sie aber nicht daran gehindert, sich via Neuland z. B. mit Herrn Tönnies, dem rassistischen, hässlichen Kapitalisten der Fleischbranche, ins Bett zu legen.
Ein für mich besonders bitteres Erlebnis fällt in meine Zeit als Gemeinderatsmitglied in meinem Heimatort Clenze (2011 bis 2016), als man mir die politische Unterstützung in meinem Engagement gegen das illegale Abpflügen von Wegeseitenrändern verweigerte mit der Aussage, ich hätte zwar Recht mit meinen Aktivitäten, aber die AbL könne das aktuell politisch nicht schultern, so ein Mitglied des damaligen niedersächsischen Landesvorstandes der AbL.
Wenn jetzt die AbL in der Diskussion um den niedersächsischen Weg und das Volksbegehren in Niedersachsen zum Thema Artenvielfalt wieder dem Landvolk hinterherläuft, ignoriert sie ein weiteres Mal die beschriebene Methode des Hinhaltens und Ausbremsens durch Bauernverband und Landespolitik.
Wenn man in der niedersächsischen Agrarpolitik jetzt tatsächlich mal zu relevantem Handeln käme, was ich wegen des drohenden Volksbegehrens gar nicht ausschließen will, stünde es der AbL m. E. gut an, in diesem Prozess nicht mit den offiziellen Wölfen zu heulen. Denn Zeit ist bei dem bedrohlichen Artensterben wahrlich nicht mehr zu vergeuden und ohne Druck läuft in diesem Bereich, wie schon beschrieben, kaum etwas.

Wolfgang Eisenberg, 29459 Clenze