Sind die Wildtiere Wolf und Gans mit der Landwirtschaft vereinbar?

Ende März lud die AbL Niedersachsen/Bremen zur alljährlichen Frühjahrstagung mit anschließender MV und Vorstandswahlen. Das Thema war dieses Jahr „Der Wolf, die Gans der Hof. Wie kann das gehen?“.

Speziell das Thema „Wolf“ wird zur Zeit sehr stark und emotional diskutiert. Frank Faß als Referent vom Wolfszentrum Dörverden  brachte viele Informationen über die Wölfe, ihre Wanderungen und die Bildung verschiedener Wolfsrudel in Norddeutschland ein und legte damit die Grundlage zur Versachlichung des Gespräches.

Auch die Gänse als „nordische Gastvögel“ bergen ein Konfliktpotenzial. Dazu berichtete Helmut Kruckenberg von TourNatur. Die Bestände haben sich teilweise sehr gut erholt, einzelne Arten sind aber nur in wenigen Exemplaren vorhanden und daher streng geschützt. Konflikte mit der Landwirtschaft gibt es, weil sie große Mengen der Wiesen abfressen. Kompliziert macht die Bekämpfung der Gänse auf dem Grünland, dass es den Eindruck macht, dass ständig viele da sind, dabei wechseln sich die unterschiedlichen Arten zeitlich ab. Verschärft hat sich das Problem durch den Verlust von Weideflächen im Baltikum (nicht mehr bewirtschaftet) was dazu führt, dass die Verweildauer im Nordseebereich länger wird, damit dann Nonstop bis Sibirien geflogen werden kann. Eine Regulierungsmöglichkeit der Bestände ergibt sich überwiegend durch das Nahrungsangebot.

Umweltminister Stefan Wenzel nahm im Anschluss Stellung zu den Maßnahmen in Niedersachsen:

- Der Wolf wird aus Niedersachsen nicht mehr verschwinden, allerdings werden – wie auch in der Vergangenheit einzelne Wölfe, die auffälliges Verhalten zeigen, „entnommen“ werden können.

- Zaunbau wird gefördert (allerdings nur zu 80 % der Kosten).

- Es wird eine Eingreiftruppe zusammen gestellt, die in Krisenfällen bei Zaunbau oder auch mit Herdenschutzhunden aushelfen.

- Die Entschädigungspraxis muss überarbeitet werden.

In der Diskussion kamen etliche Betroffene zu Wort, die ihre Weide-Tierhaltung bedroht sehen und sich nach wie vor von der Politik zu wenig vertreten fühlen. Das betrifft nicht nur die Entschädigungspraxis, bei der gefordert wird, die Beweislast umzukehren sondern auch die Einschätzung der Verhältnisse vor Ort, die immer noch verharmlost würden. Von allen wurde jedoch eine sachliche Diskussion befürwortet, bei der Belange von Naturschutz und Tier-, insbesondere Weidehaltung  gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Fazit AbL: Eine Lösung der Probleme kann es zur Zeit nicht geben. Gerade bei neuen Entwicklungen, seien es die Populationen der Wölfe oder der der Gänse, fehlen die Erfahrungen. Schnellschüsse bringen dabei wenig. Herauskristallisiert haben sich vor allem zentrale Punkte, über die weiter diskutiert werden muss:

- wieviel Schadensfälle pro Jahr gibt es, was ist tolerierbar? (2016 ca. 40)

- Wie wird sich die Population entwickeln, ist der „Flachlandwolf“ (Polen, Deutschland) eine eigene Population oder ist sie zusammen mit den Baltischen Wölfen zu betrachten? Ab 1000 Wölfe gilt eine Population als gesichert und könnte reguliert werden.

- Ab wann muss regulierend eingegriffen werden und ab wann ist es erlaubt?

- Ist ein Eingriff in die Sozialstruktur des Rudels nicht kontraproduktiv, weil die Angriffe auf Vieh zunehmen könnten?

- Welche Möglichkeiten aber auch Grenzen des Zaunbaus gibt es?

 Der Dialog der verschiedenen Gruppen ist daher unerlässlich. Die AbL wird sich wie bisher dafür einsetzen, dass die Landwirte in diesem Prozess gleichberechtigt gehört und berücksichtigt werden.

Weit unproblematischer gestalteten sich hingegen die Wahlen des neuen/alten Vorstandes der AbL Niedersachsen/Bremen aus. Alle alten Vorstände wurden in ihrem Amt bestätigt und freuen sich auf eine weitere engagierte Amtszeit im Sinne der bäuerlichen Landwirtschaft.