Pressemitteilung 02.06.2026
Französische und deutsche Verbände, die Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt, Klima, Verbraucherschutz und Tierschutz vertreten, fordern die europäischen Institutionen gemeinsam auf, die künftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) zu einem echten Instrument zur Unterstützung der bäuerlichen Landwirtschaft, der Einkommen der Landwirte und der Erhaltung landwirtschaftlicher Ökosysteme zu machen. Unsere Ernährungssouveränität und unsere Fähigkeit, die aktuellen vielfältigen Krisen zu bewältigen, hängen davon ab.
Die von der Europäischen Kommission im vergangenen Juli vorgelegten GAP-Gesetzesvorschläge, die derzeit vom Rat und vom Europäischen Parlament bearbeitet werden, untergraben die gemeinsamen Grundlagen der GAP und bergen die Gefahr, einen verstärkten Wettbewerb zur Absenkung von Standards zwischen den Mitgliedstaaten zu erzeugen – und das zu einer Zeit, in der deren Einigkeit angesichts geopolitischer und ökologischer Krisen notwendiger denn je ist.
Das Collectif Nourrir in Frankreich und die Verbände-Plattform in Deutschland betonen, dass die Gewährleistung einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion eine faire und transparente Vergütung für diejenigen erfordert, die sie produzieren. Angesichts eines ungewissen GAP-Budgets, einer wenig ambitionierten Reform der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) und nicht ausreichenden Vorschlägen hinsichtlich der Ausrichtung und Umverteilung der Einkommensstützung zugunsten kleiner und mittlerer Betriebe, verpasst die Europäische Kommission die Gelegenheit, den Landwirt*innen mit gerechteren Einkommen unter die Arme zu greifen. Die Verhandlungen werden voraussichtlich zu einer Beibehaltung der derzeitigen ungleichen Verteilung der GAP-Beihilfen führen. Dies wirkt sich nachteilig auf die Einkommens- und Planungssicherheit derjenigen aus, die sich für einen ökologischen Wandel und den Generationenwechsel einsetzen. Die Vorschläge der Kommission bergen zudem die Gefahr, dass der Agrarsektor noch stärker von nicht nachhaltigen Praktiken und importierten petrochemischen Betriebsmitteln abhängig wird, anstatt Landwirt*innen dabei zu unterstützen, Resilienz aufzubauen und sich auf die Zukunft vorzubereiten.
Beide Organisationen kritisieren scharf, dass die Umweltarchitektur der GAP, die für die Unterstützung hin zu resilienteren landwirtschaftlichen Betrieben unerlässlich ist, stark geschwächt wurde. In ihrem Vorschlag setzt die Europäische Kommission den 2024 begonnenen Abbau der Umweltvorgaben fort und schlägt keine Umwelt- und Klimaziele für die GAP mehr vor. Diese Entwicklungen bedrohen nicht nur die Gesundheit von Landwirt*innen und Bürger*innen, sondern auch die der landwirtschaftlichen Ökosysteme und deren langfristige Fähigkeit, unsere Nahrungsmittel zu produzieren.
Damit die künftige GAP den aktuellen Herausforderungen gewachsen ist, fordern das Collectif Nourrir aus Frankreich und AbL und BUND als Koordinatoren der Verbände-Plattform in Deutschland:
Mathieu Courgeau, Co-Präsident des Collectif Nourrir:
„Angesichts der sich häufenden aktuellen Krisen fordern wir die Vertreter*innen der europäischen Institutionen dringend auf, sich dieser Herausforderung zu stellen. Unser gemeinsames Handeln ist notwendiger denn je, um unser Agrar- und Ernährungssystem zu stärken, statt zu schwächen.“
Ottmar Ilchmann, agrarpolitischer Sprecher der AbL & Landesvorsitzender der AbL Niedersachsen/Bremen kommentiert:
„Um die Zukunft der Landwirtschaft zu sichern, brauchen wir eine wirklich europäische politische Antwort und einen Governance-Rahmen, der diejenigen in den Vordergrund stellt, die soziale und ökologische Leistungen erbringen. Wir brauchen keinen renationalisierten Ansatz, der die Agrarpolitik zu einer Nebensache degradiert, unsere kollektive Handlungsmacht schwächt und Umwelt-, Klima- und Tierschutzmaßnahmen ausbremst.“
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