Großenkneten, 15. März 2026, Bericht  

Wassermanagement, Grundwasserschutz und Böden untrennbar verbunden

AbL Niedersachsen/Bremen tagte im Frühjahr zum Thema Wasser

Wasser, - mal ist es, wie zum Jahreswechsel 2023/2024 als die Winterkulturen im Wasser erstickten und die Felder vielerorts bis zum späten Frühjahr nicht befahren werden konnten, zu viel da, mal zu wenig, wie in den immer häufiger werdenden Dürrejahren, die die Anträge auf Grundwasserentnahme zur Beregnung in die Höhe schellen ließen und vielerorts aufgrund der gefährlich niedrigen Grundwasserstände mit Beregnungseinschränkungen einher gingen. Wasser ist eine zentrale Ressource, nicht nur für die Landwirtschaft – und zugleich zunehmend Gegenstand gesellschaftlicher und politischer Diskussionen. Wie steht es um die Wasserverfügbarkeiten in Niedersachsen? Welche Rolle spielen Bodenstruktur und Bewirtschaftung für den Wasserhaushalt und den Grundwasserschutz? Und wie kann Grundwasserschutz in der landwirtschaftlichen Praxis erfolgreich umgesetzt werden? Bei der Frühjahrstagung der AbL Niedersachsen/Bremen stand das Thema „Wasser“ im Mittelpunkt. Als Tagungsort diente thematisch passend der Biohof Bakenhus – mitten im Wasserschutzgebiet Großenkneten. 1995 übernahm der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) den Hof. Die Idee hierhinter war damals: Mit einer Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung erproben, welche Auswirkungen ökologische Bewirtschaftungsarten für das oberflächennahe Grundwasser, insbesondere in Bezug auf Nitratwerte ergeben. Auch eine Verhinderung des Eintrags von PSM-Rückständen in das Grundwasser, ist heute mit Blick auf die zukünftigen Kosten im Rahmen der Trinkwasseraufbereitung zunehmend das erklärte Ziel des Wasserverbands. Der Grundwasserschutz im Trinkwasserschutzgebiet baut dabei vor allem auf die fünf bekannten Prinzipien: möglichst geschlossene Nährstoffkreislaufe, flächengebundene Tierhaltung, keine chemischen Pflanzenschutzmittel, Verzicht auf Mineraldünger, vielfältige Fruchtfolgen mit immergrünen Feldern. Der Wasserverband entlohnt dabei aus eigenen und mit Landesmitteln den pachtenden Landwirt mit Zuschüssen für seine grundwasserschonende Bewirtschaftung. Diese Art der Kooperation unterhält der Wasserverband nicht nur mit dem Pächter auf dem eigenen Biohof Bakenhus, sondern seit teilweise 30 Jahren mit weiteren Betrieben in seinem Einzugsgebiet. 2026 wurden für 40.000ha Kooperationsflächen noch einmal eine halbe Millionen Euro in die Hand genommen, um Ausgleichzahlungen für Maßnahmen zur Pestizidreduktion oder -verzicht zahlen zu können. Neben Zuschüssen für die grundwasserschonende Bewirtschaftung erhalten die teilnehmenden Landwirte kostenlose Beratung. Während OOWV und Pächter durchaus zufrieden auf den kooperativen Ansatz blicken, wird auch Kritik an die Politik gerichtet laut: Zu wenig öffentliche Mittel stünden für Ausgleichzahlungen zur Verfügung, es könne weit mehr getan werden mit einer besseren Finanzausttattung. Statt Ordnungsrecht, seien vor allem Kooperationen zukunftsfähig.

Wassermanagement braucht Kooperation – regional und weltweit

Dr. Vinzenz Bauer, erster Inputgeber auf der Tagung, ist einer, der sich seit langem mit Wasser(mengen)management beschäftigt und nicht nur im niedersächsischen Emsland Erfahrungen im regionalen Wassermanagement sammeln durfte. Wassermanagementbeispiele aus aller Welt, vom Terrassenfeldbau in Asien, über Flussdeltakommissionen bis hin zum Betrieb großer Staudämme erläuterte er im Rahmen seiner Präsentation, zeigten, dass es in Sachen Wasser gut immer nur zusammen ginge und dass der stetige Dialog aller Beteiligten zum Thema Wasser unverzichtbar sei. Dies gelte insbesondere auch dann noch, wenn schon Konflikte vorlägen oder wenn bereits Entscheidungen drängten.

Klar ist, Wassermanagement betrifft immer viele, viele Akteure – und genau das macht es so komplex. Landwirtschaft, Kommunen, Wasserwirtschaft, Naturschutz, Industrie und Bürgerinnen und Bürger beeinflussen Wasserqualität und -verfügbarkeit gleichzeitig. Ganz einfach illustriert: wenn Bäuerinnen und Bauern humusreiche Böden aufbauen, Kommunen aber weiter versiegeln, steigt der Abfluss trotzdem. Wenn Kommunen entsiegeln, aber Flüsse begradigt bleiben, fehlt der Landschaft der natürliche Wasserspeicher. Wenn Industrie Wasser effizient nutzt, aber Böden degradieren, sinkt dennoch die Grundwasserneubildung. Die beste Maßnahme verpufft, wenn sie nur auf einem Feld oder in einer Gemeinde umgesetzt wird. Wasser fließt über Grenzen hinweg – deshalb müssen Maßnahmen im gesamten Einzugsgebiet abgestimmt werden.  Eine unkoordinierte Wasserrückhaltung würde sehr wahrscheinlich dazu führen, dass zwar im Landschaftsbild mehr Wasser sichtbar würde, wohl auch mit lokal positiven Effekten, aber möglich ist auch, dass so die Grundwasserneubildung in den Grundwasserkörpern aus denen gefördert wird, möglicherweise gar nicht stattfindet. Dazu kommt die nicht unberechtigte Sorge, dass durch einen Wildwuchs an einzelnen und unkoordinierten Stauanlagen die Gesamtdrainagesysteme in den Regionen in ihren Funktionen beeinträchtigt werden könnten. Nur integrierte Strategien verbinden die verschiedenen Puzzleteile von Wassermanagementmaßnahmen zu einem funktionierenden System.

Bodenverdichtung: Ein Hebel in der Hand der Bäuerinnen und Bauern

Gerd Gräpe, Landwirt und Wasserschutzberater hat im zweiten Vortrag der Tagung einen anderen Aspekt in den Blick genommen, - einen der dann tatsächlich wieder in der Hand der einzelnen Bäuerinnen und Bauern liegt: die viel zitierte gute fachliche Praxis in Hinblick auf die Bewirtschaftung ihrer Böden. In seinem Vortrag „Wasserhaushalt und Bodenverdichtung“ verdeutlichte er, immer mit der Bodensonde in der Hand, welche nicht zu unterschätzende Rolle die Vermeidung und Beseitigung von Bodenverdichtungen spielt und dabei nicht nur die Fähigkeit des Bodens Wasser aufzunehmen maßgeblich positiv beeinflusst, sondern auch zur Erzielung eines guten Ertragsniveaus unabdinglich ist.

Insgesamt wird deutlich: Wassermanagement und Wasserschutz gelingt nur systemisch. Gute fachliche Praxis auf dem Feld, politische Rahmenbedingungen, kommunale Planung auch zur Verringerung weiterer Flächenversiegelung und regionale Kooperation müssen ineinandergreifen, damit Wasser auch in Zukunft ausreichend, sauber und verfügbar bleibt.